Kolophonium

Idee

Wenn man viel lötet, braucht man auch viel Flussmittel. Da kann man entweder fertiges kaufen oder selber welches anrühren und sich vom gesparten Geld noch ein paar Bauteile mehr leisten.

Rezept

Dieses Rezept ist schon ziemlich alt, es dürfte zusammen mit der Elektronik entstanden sein. Die Grundlage dieses Flussmittels ist Kolophonium, ein Harz von Nadelbäumen, welches in Isopropanol, dem billigeren Spiritus oder noch schlimmer Bourbon aufgelöst wird.

So sieht ein Brocken Kolophonium aus. Die Färbung kann sehr stark schwanken, weil es ja ein Naturprodukt ist.

Um einen Brocken des Harzes zu Flussmittel zu verarbeiten zerkleinert man es, gibt das Pulver in ein Behältnis und fügt das Lösungsmittel seiner Wahl hinzu. Je nach Größe des Kolophoniumklumpens dauert das Auflösen eine Weile. Wenn das Kolophonium vollständig gelöst ist, kann man zum Beispiel eine Spritze damit befüllen oder es im Becherchen lassen und mit Pinsel oder Wattestäbchen auf die Lötstellen auftragen. Im Gegensatz zu Lötwasser oder Löthonig vom Klempner kann dieses Flussmittel auf der Platine bleiben, ohne dass es Schaden anrichtet und eignet sich auch als Schutzlack für die gesamte Platine. Vorher sollte man aber testen, ob der Lack, wenn er getrocknet ist, noch klebt oder nicht. Das scheint vom Lösungsmittel abhängig zu sein, vielleicht liegt das auch an Vergällungsmitteln zum Beispiel in Spiritus. Wenn die Mischung nicht klebt, bildet das Flussmittel auf der Platine eine dünne Schicht aus Kolophonium, die die Leiterbahnen schützt.

lustige Zusätze

Aber das kann ja jeder. Darum habe ich neben diesem einfachen Grundrezept noch mit ein paar Zusätzen experimentiert. Dazu habe ich einfach dem normalen Rezept noch Pfefferminze, Waldmeister oder Mate Tee hinzugefügt. Wenn man dann damit lötet, füllt nach einer Weile ein interessantes Aroma den Raum. Nur sollte man natürlich den Dampf nicht direkt einatmen und am besten noch die Lötdampfabsaugung einschalten. Aber mehr dazu unter Gesundheit.

Alle Zutaten bis auf das Lösungsmittel versammelt, in diesem Fall mit Mate Tee:

Die Löteigenschaften scheinen die Zusätze auch nicht zu verändern, jedenfalls würde ich die kleinen Unterschiede, die ich zwischen Pfefferminze und Waldmeister festgestellt habe, eher auf Abweichungen in der Konzentration des Kolophoniums schieben.

Einfach alles in das Becherchen geben, das Lösungsmittel hinzugeben und warten.

Selbst wenn es sich mit dem Flussmittel nicht gut löten lässt, so sieht wenigstens das frisch angesetzte Gebräu äußerst hübsch aus:

Ich hab' da mal was vorbereitet:

Das sind die Varianten Pfefferminze und Waldmeister. Die gibt es schon etwas länger, deshalb sehen die leider nicht mehr so schön aus.

Gesundheit

Wie schon erwähnt, sollte man den Dampf nicht direkt in den Riechkolben ziehen, denn Kolophoniumdampf soll gesundheitsschädlich sein und zum Beispiel Allergien oder Asthma auslösen können. Man braucht aber auch nicht den Dampf direkt einatmen, um etwas von den Zusätzen zu haben.

Lötet man längere Zeit am Stück, sollte man sich mindestens einen 80mm Lüfter aus dem PC neben die Platine stellen oder eine Lötdampfabsaugung verwenden.

Letzten Endes ist es aber wie mit allen Stoffen: die Konzentration macht's. Wenn man nicht täglich mehrere Stunden lötet, dürfte die Gefahr für Leib und Leben zu vernachlässigen sein, wobei das hier natürlich keine qualifizierte Beratung darstellt. Gibt ja noch andere Vereine, die mit Harz (Weihrauch) kokeln, um high zu werden. Da kippen ja die Leute auch nicht ständig aus den Latschen. Und wer allergisch auf das Kolophonium reagiert, muss sich eben ein Flussmittel besorgen, welches nicht auf Kolophonium basiert.